Man liebt sie oder man hasst sie. Für mehr Diskussionen hat jedenfalls noch kein Nike-Modell gesorgt. Hardcore-Fans reiben sich die Hände, wenn ein neues Modell der Huaraches in den Startlöchern steht. Allen anderen bleibt oft nicht mehr, als ein Kopfschütteln. Über das schwarze Schaf der Nike-Family haben wir mit Gary Warnett vom Sneakershop Crooked Tongues gesprochen.

Wer steckt hinter dem Design des Huarache?
Tinker Hatfield. Der Mann ist eine Design-Legende und seit 1988 verantwortlich für fast alles, was designtechnisch bei Air Jordan passiert. Er hat unter anderem die Nike-Bestseller Air Max und Air Max 90 entworfen.

Woher kam die Inspiration für den Schuh?
Der Huarache ist von Wasser-Ski-Boots inspiriert. Der sockenartige Neoprenfüßling wird außen gerahmt. Dem Nike-Designteam ging es vor allem um eine dynamische Passform.

Der Schuh ist ziemlich speziell. Haben die Herren im Anzug Widerstand geleistet?
Yep. Vor allem, dass der Swoosh fehlt hat sie fuchsig gemacht. Aber der Huarache war und ist ein Schritt in die Zukunft. Auch die offene Sohle und die ungewohnten Farben wie Grün und Königsblau.

Und fast wäre nix draus geworden?
Ja, richtig. In der Schuhproduktion gibt's viele Schritte und die Bestellungen anhand des Prototypen liefen damals nicht so super. Die Zahl lag tatsächlich nur bei 5.000 – 100.000 Vorbestellungen sind nötig, um ein Modell profitabel herzustellen. Der Nike Air Huarache wurde auf Eis gelegt.

Offensichtlich hat es dann ja doch noch geklappt. Aber wie?
Ein Querdenker in der Marketing-Abteilung beschloss, 5.000 Paar produzieren zu lassen und dann in einer Guerilla-Aktion während des New York Marathons zu verkaufen. Ziemlich riskante Idee, die aber funktioniert hat. Nach zwei Tagen waren die Schuhe ausverkauft. Direkt danach wurden 250,000 Huaraches bestellt und im Jahr darauf waren es insgesamt eine halbe Millionen Paar. Die Einführung des Nike Air Huaraches 1991 revolutionierte den Laufschuh. Das spiegelte sogar die Werbung wieder. Auf einem Plakat stand schlicht ein erstauntes „What was that?“.

Wann wurde der Huarache das erste Mal wieder aufgelegt?
Das war im Jahr 2000, als Antwort auf die neuen, Turnschuh sammelnden Sneaker-Freaks. Nike brachte zusammen mit Stüssy ein Huarache-Modell raus. Der Schuh wurde ein Riesenerfolg – vor allem, weil er sich an eine Generation richtete, die ihn schon 10 Jahre zuvor getragen oder damals ihre älteren Brüder und Cousins darum beneidet hatte.

Und was kommt als Nächstes?
Diesen Februar kommt ein neuer Huarache raus. Er erinnert an die selteneren Modelle in gedeckten Farben, die um 1992 verkauft wurden. Kein Schuh versinnbildlicht die frühen 90er besser als der Huarache. Und mit dem anhaltenden 90er-Style-Revival überrascht es kaum, dass der Huarache gerade jetzt Mädels, Jungs, Schuh-Sammler und Nostalgiker zusammenbringt.

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