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Im Gespräch mit Schauspielerin Lea van Acken

Von Julius Kraft, 4. Juni 2017

Über das zielstrebige Einfach-mal-Machen

 

Das Tagebuch der Anne Frank, Bibi und Tina 4, Fack ju Göhte 3. Lea van Acken gehört zu den Schauspielerinnen, an denen gerade kein Weg ins Kino vorbeiführt. Wir treffen sie im Studio Chérie, einem lichtdurchfluteten Loft in Berlin­ Neukölln. 

ASOS Magazin: Im Gespräch mit Lea van Acken

Fotos: Jana Gerberding

„Wollen wir mit dem Interview schon anfangen, wenn ich im Make-up sitze?“ fragt sie und setzt sich galant vor den Spiegel, der von Glühbirnen eingerahmt ist, wie man es aus alten Hollywood-Filmen kennt. Das passt. Mit 18 Jahren wirkt Lea unheimlich bei sich, aber auch ihrer Umgebung gegenüber aufmerksam. Sie sucht Augenkontakt und wählt ihre Worte mit Bedacht. Lea ist Profi und im Gespräch ebenso präsent, wie auf der Leinwand.

 

ASOS Magazin: Im Gespräch mit Lea van Acken

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Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

„lch hatte eine kleine Komparsenrolle bei den Karl-May-Spielen, das ist bei uns Zuhause in der Nähe, und das hat mir super viel Spaß gemacht. Also habe ich mich in Berlin bei Agenturen beworben, hatte erste Castings - so zwei, drei, die nicht funktioniert haben und ich dachte schon ,Och manno'. Heute weiß ich, dass drei Castings, die nicht funktionieren, nicht schlimm sind. lch habe ein weiteres Casting gemacht und meinen ersten Film bekommen. Kreuzweg, ein Arthouse-Kinofilm, der seine Premiere auf der Berlinale im Wettbewerb hatte.“

Direkt die Hauptrolle und direkt Teil der Berlinale...

„Unter der Berlinale konnte ich mir vorher gar nicht viel vorstellen und dann war ich gleich mittendrin. Zu der Zeit war ich ja erst 14 oder 15. Der ganze Filmfestival-Campus ist dort zusammen, überall sind irgendwelche Stars und George Clooney ist am Nachmittag nach dir dran. Das war schon unwirklich.“ 

 

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2016 hast du Anne Frank gespielt, eine Rolle mit großer Verantwortung. Ist dir das „Ja“ zur Rolle schwergefallen?

„Es ist mir insofern schwergefallen, da ich wirklich Respekt hatte, weil sie weltweit bekannt ist und alle ein ganz bestimmtes Bild von ihr haben. lch dachte ,lch darf mir das jetzt nicht anmaßen, als deutsches Mädchen Anne Frank spielen zu wollen'. Aber dann habe ich angefangen, ihr in der Vorbereitung Briefe zu schreiben. So hatte ich das Gefühl, dass ich ihr etwas von mir erzähle und dass es auch okay ist, wenn ich mir ihr Tagebuch durchlese und sage: ,Okay Anne, ich werde dich jetzt einfach spielen'. Das hat mir geholfen, sonst hätte ich damit zu kämpfen gehabt.“ 

Was hast du aus der Zeit mitgenommen?

„So viel! Es hat mich natürlich schauspielerisch weitergebracht. Und dann auch menschlich. lch bin mir nochmal bewusst geworden, wie dankbar wir darüber sein können, was wir alles haben und dass wir für unsere Werte auch einstehen müssen. Manchmal denke ich: ,Was hätte Anne wohl dazu gesagt?'“

 

Deine aktuellen Filme - Bibi und Tina 4, Fack Ju Göthe 3 und Ostwind 3- sind dagegen leichtere Kost. War das eine bewusste Entscheidung?

„Nein, so bewusst war sie nicht. Bibi und Tina und auch Ostwind sind eher Jugendfilme, in denen es vor allem um das Theme Freiheit geht. Zum Casting von Bibi und Tina bin ich gegangen, weil ich Lust hatte, mit Detlev Buck zu drehen. Und ich hatte Lust auf die Crew und vor allem auf die Rolle - so hat sich das ergeben. Die Rolle für Fack Ju Göthe zu bekommen war lustig, weil ich die Truppe ganz gut kenne. Jella Haase, Lucas Reiber - mit denen wollte ich schon immer gemeinsam drehen.“

 

ASOS Magazin: Im Gespräch mit Lea van Acken

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Welche Rolle spielt Freundschaft am Set?

„Sets sind wie kleine Familien. Und Menschen verlieben sich am Set und werden beste Freunde. lch habe schon das Gefühl, dass ich so ein paar neue Freundschaften geschlossen hebe. Mit Lisa Marie-Koroll von Bibi und Tina verstehe ich mich zum Beispiel immer noch so gut.“ 

 

Was kommt in der Zukunft auf dich zu?

„Nächstes Jahr mache ich mein Abi, das ist Projekt Nummer eins. Sonst sind so ein paar Sachen offen. lch habe seit einem Jahr einen Agenten in Amerika und schicke immer so Self­Tapes rüber. lch schätze die Wahrscheinlichkeit, dass mich jemand auf diese Weise besetzt, relativ gering ein, aber man weiß ja nie.“

 

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Das heißt, nach dem Abitur nach Berlin oder Amerika?

(Lacht) „Auf jeden Fall Berlin und gerne etwas rumreisen. Hätte ich eine Bucket-List, wäre auf jeden Fall drauf: einmal am Strand in Südafrika reiten. Ansonsten will ich die freie Zeit nutzen, mich auszuprobieren. lch hätte Lust, mal ganz intensives Training für etwas zu machen. Zurn Beispiel mit einem Lehrer Ballett zu tanzen bis meine Füße bluten. Also, die Füße müssen nicht unbedingt bluten, aber so vom Ding her - so, dass man nur noch diese eine Sache im Kopf hat.“

 

@lea_van_acken

 

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